M., 20, trauert um ihren Rucksack

Hamburg, Ahrensburg, Alexandra S. PS

Hamburg // Ahrensburg // Dank für das Foto an Alexandra Schulz

M.,  20 Jahre: „Ich habe im Zug nicht auf meinen Rucksack aufgepasst. Warum auch? Ein Bundeswehr-Rucksack, er begleitet mich schon seit der 8. Klasse. So ranzig wie er aussieht – wer sollte ihn schon klauen? Dann sagte eine Frau zu mir: ‚Der Mann mit der grünen Jacke nimmt gerade Ihren Rucksack mit‘. Dann war er auch schon weg. Da bekam ich Panik. Der Rucksack war voller persönlicher Dinge, ein Telefonbuch mit allen wichtigen Nummern. Und ein Buch meiner Mutter, die im vergangenen Sommer verstorben ist.

Das Buch war eine Autobiographie von einer Frau mit Magersucht. Meine Mutter litt als junges Mädchen selbst unter der Krankheit. Sie hat für mich in dem Buch die Textstellen unterstrichen, die sie als wichtig empfunden hatte. Ich habe es bislang nicht geschafft, das Buch zu lesen. Das hätte ich gern getan.

Ich würde gern verstehen, warum der Mann den Rucksack geklaut hat. Hätte ich etwas Wertvolles in der Tasche aufbewahrt, hätte ich sie wohl kaum einfach im Zug rumliegen lassen, oder? Konnte er sich das nicht denken? Wenn ich den Mann jemals treffen sollte, ich würde wohl keine Worte finden. So sehr hasse ich ihn.“ 

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