Ricarda, 28, sucht den Vater ihrer Welpen

Vater gesuchtHamburg // Schanzenpark // Dank an Yvonne Dewerne

2000 Jahre Kirchengeschichte in vier Monaten. Ricarda hatte einen Lernplan, sie war motiviert, sie hatte ein Ziel: ein gutes Examen, dann irgendwann vielleicht Pastorin. Es kam anders. Mit 28 Jahren wurde die Theologie-Studentin aus Hamburg neunfache Mutter, fünfmal schwarz, viermal blond. Schuld ist ein Freund, der inzwischen keiner mehr ist.

Ricarda hat eine Hündin, den drei Jahre alten Settermischling Zola. An einem Dienstagabend im Januar spazierten die beiden durch den Hamburger Jenischpark. Zola sollte sich austoben, doch sie rannte nicht, sie watschelte. Um die Taille hatte sie zugelegt. Sollte sie etwa? Wann war sie zuletzt läufig?

Das war im Dezember. Zu der Zeit hatte ein Freund auf die Hündin aufgepasst, wie schon häufiger. Er habe gewusst, sagt Ricarda, dass Zola an der Leine bleiben muss. Eine läufige Hündin macht Rüden schließlich wuschig. Da gibt’s kein Halten mehr.

War da was im Dezember?, fragte Ricarda. Ach, stimmt, einmal habe sich Zola von der Leine gerissen, behauptete der Freund, um mit einem Rottweiler im Gebüsch zu verschwinden. Zwei Minuten, höchstens.

Ricarda vereinbarte einen Ultraschalltermin.

Sie informierte ihre neue WG-Mitbewohnerin.

Sie verschob ihr Examen.

Sie stritt mit ihren Eltern. Denn plötzlich, 23 Jahre nach der Scheidung, waren sie wieder einer Meinung: Die Welpen müssen weg. Das Studium für Hundepflege unterbrechen? Verantwortungslos. Neun Mischlingsköter verkaufen? Unmöglich. Ricardas Vater züchtete früher selbst Hunde. Auf dem Land, sagt sie, würde man „schon mal mit der Schüppe draufhauen“. Ricarda startete stattdessen lieber das Blog Hundekinderreeperbahn, so gehört sich das für eine werdende Großstadtmutti.

Und sie schrieb einen Zettel, den sie in Hamburg und auf Facebook verteilte: „Vater gesucht! Meine zum Zeitpunkt läufige Hündin hat sich am 2.12. mittags im Schanzenpark bei ihrem Gassifreund von der Leine gerissen und ist mit einem mittelgroßen, kurzhaarigen, schwarzlohfarbenen Rüden im Gebüsch verschwunden. Laut Tatbericht nur für zwei Minuten – laut Ultraschall könnten es ein paar Minuten mehr gewesen sein… Wir erwarten Nachwuchs! […] Wer hat was gesehen? Hinweise, die zur Ergreifung des Vaters führen, werden mit einem glücklichen Hundelächeln und einer Tafel Schokolade belohnt!“

Nach zwei Stunden meldete sich eine Hundesitterin: Zola habe sich nicht von der Leine gerissen, sagte sie, sondern sei gar nicht angeleint gewesen. Aus dem Rottweiler wurde ein Labrador, aus den zwei Minuten eine halbe Stunde, aus dem Freund ein Ex-Freund.

Abends telefonierte Ricarda mit der Labrador-Besitzerin, ein paar Tage später sahen sich werdende Mutter und werdender Vater wieder. Ricarda vermählte die beiden im Schanzenpark, nach dem Ja-Wort gab’s ein Leckerli.

Ende Januar brachte Zola ihre Kinder zur Welt. „Wir sind jetzt 9-fache Mütter“, schrieb Ricarda in ihrem Blog. „Zola und ich leben nunmehr zusammen wie eins dieser öko-alternativen, gleichberechtigten Elternpaare in vollkommener Überwindung traditioneller Geschlechterrollen.“ Ricarda stand nachts auf, wenn ein Hündchen krähte, um 1.30 Uhr, um 3 Uhr, um 4 Uhr. Sie bloggte: „So langsam bekomme ich als Single-Endzwanzigerin eine Vorstellung davon, was Elternschaft mit Schlafenzug zu tun hat.“ Sie wog die Kleinen, picknickte mit ihnen an der Elbe, kaufte eine beheizbare Welpenhütte, als die Wohnung zu eng wurde und die Kleinen in einen Reitstall umzogen.

Und irgendwann kam der Abschied. Sie fand neue Besitzer, die Welpen heißen jetzt Lina, Emma und Frieda, sie besuchen Welpengruppen und leben in kindersicheren Wohnungen in Bochum, Lübeck und Göttingen. Hin und wieder bekommt Ricarda ein Foto geschickt und ist ganz stolz auf ihre großen Kleinen.

Danke für die Hundefotos an Ricarda!

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2 Gedanken zu „Ricarda, 28, sucht den Vater ihrer Welpen

  1. michaela sagt:

    Happy End, jippieh!

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  2. Schoene Geschichte!

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