Felix, 34, verliert Pfeil und Bogen

Berlin

Wenn ein Mann mit seinem Pony U­-Bahn fährt, is dit Berlin, wa. Oder wenn ein Mann nackt über den Alex läuft. Und wenn ein Mann an einem Sonntag in Friedrichshain Pfeil und Bogen verliert, dann is dit wohl auch Berlin.

An diesem Sonntag verkaufte Felix, 34, seinen Trödel auf einem Flohmarkt, sechs Stunden stand er auf dem RAW­-Gelände in Friedrichshain, auf 3000 Quadratmetern reiht sich hier Thüringer­-Rostbratwurst-­Stand an Globus an Silberbesteck an Pelzmantel an Comic an Schallplatte.

Am Ende war er ganz zufrieden mit sich und gönnte sich ein Bier. Und noch eins.

Noch zufriedener, ja, geradezu selig war Felix, als er an einem Stand Kurzbogen, Köcher und Holzpfeile entdeckte. So, mit Leder überzogen, hätte dieses Ensemble auch in Herr der Ringe mitspielen können.

Felix, der eigentlich anders heißt, übt schon eine Weile, mit Pfeil und Bogen zu schießen, draußen in Brandenburg gehört einer Freundin ein Garten. Manchmal stellt er sich dort eine selbst gebastelte Papp­-Zielscheibe auf, draußen auf dem Feld, wo er weit blicken kann, um niemanden versehentlich zu treffen. Er muss halt noch trainieren. Gerade sein Langbogen, fast so groß wie er, sei sehr schwer zu spannen, sagt Felix. Einmal habe er sich dabei schon böse am Finger verletzt.

90 Euro sollten Kurzbogen, Köcher und Pfeile kosten, mehr, als er an diesem Tag eingenommen hatte. „Heftig teuer für Flohmarktverhältnisse“, dachte Felix. Egal. Darauf ein Bier.

Am Ende des Tages verstaute er seinen Trödel, den er nicht losgeworden war, in seinem Fahrradanhänger. Obendrauf den Kurzbogen. Glaubte er. Er habe zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Bierchen getrunken, sagt er. Mehr oder weniger ein bisschen angetrunken oder besoffen sei er gewesen, jedenfalls, sagt er, mit den Sinnen schon woanders.

Als er zu Hause ankam, war der Bogen weg und Felix traurig.

Zweimal sei er an diesem Abend die Strecke mit dem Rad noch mal abgefahren. Vergebens. Am nächsten Tag schrieb er deswegen einen Zettel, kopierte ihn und hängte ihn an der Strecke zehnmal auf:

„Habe gestern an einem Sonntag meinen Pfeil und Bogen verloren. Bitte melden, Finderlohn. Finderlohn!!!“

Lange hört er nichts, dann kam Wochen später eine SMS: „Ich habe deinen Pfeil gefunden. In meiner Katze“, schrieb eine Frau. Felix erschrak: Ach du Scheiße. Sollte er etwa draußen auf der Wiese, in Brandenburg, eine Katze getroffen haben? Aber er konnte doch auf dem Feld 30 Meter weit schauen. Da war nichts gewesen. Er passte doch auf. Oder?

Sicherheitshalber zählte er seine Pfeile. Das schrieb Felix der Frau: Er habe noch alle beisammen. Sein Pfeil könne gar nicht in der Katze stecken. „Ich weiß genau, dass Sie es waren“, antwortete sie. Später fragte er sich, woher die Frau überhaupt seine Nummer hatte. Da fiel ihm der Zettel ein.

Männer, die mit Pfeilen auf Katzen schießen, dit is auch Berlin, wa. Und Felix soll es gewesen sein. Deswegen will er jetzt auch keine Zettel mehr aufhängen, jedenfalls keine, auf denen er nach Pfeil und Bogen sucht. Wer weiß, was ihm noch alles angehängt wird. Hier in Berlin.

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