Archiv der Kategorie: Vermisst

Thorsten, 46, wettert über Fahrraddiebe

Hamburg_FahrraddiebHamburg

Er bringt zum Ausdruck, was viele fühlen: Die ungeheure Wut auf Menschen, die sich einfach nehmen, was ihnen nicht gehört. Besonders kurz vor Weihnachten. Dabei lernt man doch schon im Kindergarten den Unterschied zwischen meins und deins.

Thorsten S. ist 46 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in der Schanze, einem Hamburger Szeneviertel. Er fährt gern mit dem Fahrrad durch die Stadt, ihm gefällt es, „schwups“ am Ziel zu sein, ohne im Stau zu stehen, ohne umsteigen zu müssen. „Cool“, findet er das. Er spricht ruhig, sanft, leise. Dieser Wutausbruch auf dem Zettel mag nicht recht zu ihm passen: „Welches Arschloch hat das Fahrrad geklaut“, hatte er geschrieben. Und: „Fahrräder Klauen ist scheiße und assig.“

Thorsten S. findet die Wortwahl angemessen. Er sagt: „So kann man ruhig Leute betiteln, die Fahrräder klauen.“ Am liebsten hätte er sie seitenlang beschimpft – aber wer soll das alles lesen? Also beschränkte er sich auf ein paar Zeilen, druckte sie rund 30-mal aus und verklebte sie in der Schanze. Die Diebe hatten sich das Fahrrad seiner zwölfjährigen Tochter genommen, 700 Euro hat es gekostet, ein paar Monate ist es erst alt. Eigentlich sollte das Rad sie die nächsten Jahre begleiten.

Im Schnitt werden in Hamburg am Tag 40 Räder geklaut, 13.991 Stück im vergangenen Jahr. Die Aufklärungsquote liegt im niedrigen einstelligen Bereich. Thorsten S. weiß das. Er glaubt auch nicht, dass der Zettel ihm das Rad zurückbringt. Versuchen wollte er es trotzdem.

Seine Tochter soll bald ein neues Fahrrad bekommen. Diesmal wird Thorsten S. es versichern.

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Henning, 30, umgarnt den ehrlichen Finder

Hamburg, Tarpenbekstrasse, Hamburg // Tarpenbekstraße // Dank für das Bild an Clara Roethe

Zu gern hätte er sofort gewusst, wie es weitergeht mit Logen, dem Barbarenkrieger, und Glokta, dem Großinquisitor. Fast die ganze Geschichte hatte er schon gelesen, nur ein paar Seiten fehlten noch. Die letzten, wie so oft sie spannendsten im ganzen Buch.Dann stand Henning, 30, an einem Morgen um 7 Uhr im Hamburger Stadtteil Eppendorf an der Bushaltestelle. Seine Arbeit beginnt früh, er macht eine Ausbildung zum Erzieher. Henning legte das Buch auf den Zaun, drehte sich schnell noch eine Zigarette, dann kam der Bus. Und Henning vergaß das Buch. Abends, um 17 Uhr, schaute er nach: kein Buch mehr da.“Königsklingen“, ein Fantasyroman vom Engländer Joe Abercrombie, ist das dritte Buch einer Trilogie. Wer klaut schon den letzten Teil, habe er gedacht, erzählt Henning. Er wollte sein Buch zurück und nicht noch einmal 15 Euro für eine Geschichte ausgeben, die er quasi schon kennt.Also schrieb er noch am gleichen Tag einen Zettel und hängte ihn an der Haltestelle auf: „Habe heute (…) mein Buch in der Hitze des Gefechts liegen lassen. Glücklicherweise hat es jemand gefunden und mitgenommen, damit es nicht in falsche Hände gerät.“ Keine Hasstirade auf den Dieb, sondern ein Hoch auf den ehrlichen Finder. Das schien ihm erfolgsversprechender.

Er wartete einen Tag, zwei, drei, dann gab er die Hoffnung auf und wurde ein bisschen wütend. Würde der Dieb sich wenigstens ekeln, wenn er auf einen neuen Zettel schreibt, dass er „Königsklingen“ immer auf der Toilette gelesen hat? Er probierte es nicht aus.

Stattdessen überzeugte er einen Freund von dem Roman. Der kaufte es sich und las und las, 944 Seiten brauchen seine Zeit. Drei Monate später konnte Henning sich das Buch endlich leihen und legte es erst mal nicht mehr aus der Hand.

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Ich kaufe ein U

Hamburg, Methfesselstraße IIIHamburg // Methfesselstraße

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„Wir können auch Voodoo“

Hamburg, Eppendorfer Weg, Theo LNHamburg // Eppendorfer Weg // Dank an Theo Lüpke-Narberhaus

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Diddl-Mausi, wo bist du?

Hamburg, Rothenbaumchaussee, @themaatrix

Hamburg // Rothenbaumchaussee // Dank an Marco Maas

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M., 20, trauert um ihren Rucksack

Hamburg, Ahrensburg, Alexandra S. PS

Hamburg // Ahrensburg // Dank für das Foto an Alexandra Schulz

M.,  20 Jahre: „Ich habe im Zug nicht auf meinen Rucksack aufgepasst. Warum auch? Ein Bundeswehr-Rucksack, er begleitet mich schon seit der 8. Klasse. So ranzig wie er aussieht – wer sollte ihn schon klauen? Dann sagte eine Frau zu mir: ‚Der Mann mit der grünen Jacke nimmt gerade Ihren Rucksack mit‘. Dann war er auch schon weg. Da bekam ich Panik. Der Rucksack war voller persönlicher Dinge, ein Telefonbuch mit allen wichtigen Nummern. Und ein Buch meiner Mutter, die im vergangenen Sommer verstorben ist.

Das Buch war eine Autobiographie von einer Frau mit Magersucht. Meine Mutter litt als junges Mädchen selbst unter der Krankheit. Sie hat für mich in dem Buch die Textstellen unterstrichen, die sie als wichtig empfunden hatte. Ich habe es bislang nicht geschafft, das Buch zu lesen. Das hätte ich gern getan.

Ich würde gern verstehen, warum der Mann den Rucksack geklaut hat. Hätte ich etwas Wertvolles in der Tasche aufbewahrt, hätte ich sie wohl kaum einfach im Zug rumliegen lassen, oder? Konnte er sich das nicht denken? Wenn ich den Mann jemals treffen sollte, ich würde wohl keine Worte finden. So sehr hasse ich ihn.“ 

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Unverblümt

Hamburg, Övelgönne

Hamburg // Ovelgönne

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Im Internet verschollen

Hamburg, Grindelallee I

Hamburg // Grindelallee // Dank an Snoopsmaus // Romy Mlinzk

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