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Weißte Bescheid!

 Hamburg // Wohlwillstraße

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Rieke, 60, fürchtet um ihren Kater

Zettelgold / Kater

Hamburg

Nachts lag sie wach und wusste nicht, wo er ist, wann er zurückkommt, ob sie den Arzt rufen muss, weil er sich wieder geprügelt hat. Ob er überhaupt noch lebt. Die Hamburgerin Rieke, 60, kurze Haare, tiefe Stimme, herzliches Lachen, sorgte sich mehr als sonst um ihren „kleinen Kerl“. Sie musste etwas tun.

Dabei haben sie schon viel gemeinsam durchgemacht: Als er noch nicht mal ein Jahr alt war, fand sie ihn einmal vor ihrer Haustür, seine Lippen ganz weiß vor Schock. Sie fuhr mit dem Taxi zur nächsten Praxis. Er wurde mit einem flachen Brett geschlagen, vermuteten sie dort, das brach ihm Hüfte und Schambein, das zertrümmerte sein Iliosakralgelenk. Der Arzt schraubte ihn wieder zusammen, 1800 Euro. Genau so viel hatte Rieke für ihren Urlaub gespart, die Reise fiel aus.

Sie bettete ihn ins Wohnzimmer, bis er wieder laufen konnte, sie fütterte ihn, half ihm, wenn er mal musste, nahm ihn abends auf den Schoß und streichelte ihn. Wie eine pflegende Mutter, sagt Rieke. Sie lacht. Ja, er ist ein Kater, kein Kind, das weiß sie. Ein Tier, das nicht vermenschlicht werden will, aber trotzdem geliebt werden darf.

„Kater“, der kleine Kerl, ist eigentlich Grieche. Riekes Nachbarin, eine sehr tierverliebte Frau, hatte ihn mit nach Deutschland genommen. Aber die Wohnung wurde zu eng für sie, ihre zwei Kinder, den Windhund und Kater, er musste gehen. Rieke holte ihn zu sich. Zu der Zeit war gerade ihr Vater gestorben, ein großer Katzenliebhaber, an ihn musste sie denken.

Mit der Zeit nannte Rieke ihren kleinen Kerl häufiger „Herr Kater“ oder „Dicker“. Er war gewachsen und hatte nach der OP seine Kräfte entdeckt: Er prügelte sich mit Katze Mathilde und Kater Arthur, er ließ sich ein Stück vom Ohr abbeißen und die Nase einschlagen. Er teilte sein Revier nicht mit anderen Stadtkatzen, er verteidigte es.

Rieke hörte sie nachts schreien, fauchen, jammern. Rieke sah, wie sie sich tagsüber durch den Hinterhof jagten, dann rannte sie die vier Etagen runter, kletterte über Zäune und Mauern, klatschte in die Hände, wirbelte mit den Armen, um sie auseinander zu bringen. Einmal rannte ihr Mann mit einem Besenstiel in den Hof; wie ein Gladiator, erinnert sie sich.

Dann kam der schwarze Kater.

Er forderte Herrn Kater noch mehr als die anderen: Nach einem Kampf mit ihm saß er einmal 48 Stunden vor der Einfahrt zum Hinterhof, er reagierte nicht auf Rieke, er wartete, wartete auf den Schwarzen. Später fand Rieke ihren Kater unter einem Tisch im Sperrmüll, blutig und voller Schleim.

Dreimal musste sie nach solchen Begegnungen den Arzt rufen, er spritzte jedes Mal eine Antibiotikamischung, 50 Euro. Sie wusste nicht, ob er ein viertes Mal überleben würde. Sie musste etwas tun und verklebte Zettel in der Nachbarschaft:

„Der schöne Schwarze – oder ist es gar eine Kätzin – ist der Lieblingsfeind unseres rot-weißen Katers. Seit einigen Monaten verprügeln sie sich regelmäßig gegenseitig im Hinterhof.

Unserem Kater bekommt das nun leider gar nicht gut. Er braucht jedes Mal Spritzen wie Tage, um wieder gesund zu werden. Vermutlich geht es seinem Gegner auch nicht besser.

Vielleicht könnten wir ‚Besitzer‘ einmal miteinander telefonieren und uns so abstimmen, dass die beiden Streithähne möglichst nicht mehr aufeinandertreffen können. Das wäre toll. Freundliche Grüße und Danke!“

In den Tagen danach rief eine Frau an, es könne ihr Kater sein, der sei allerdings schon etwas älter. Ein alter Kater, glaubt Rieke, könne ihren Herrn Kater nicht so zurichten. Sonst meldete sich niemand. Auch der schöne Schwarze zeigte sich nicht mehr. Vielleicht hat Herr Kater ihn vertrieben, vielleicht getötet.

Herr Kater humpelt jetzt ein bisschen. Sieben Jahre ist er alt, für einen Stadtkater recht stattlich; er kommt allmählich in ein Alter, in dem er sich mehr und mehr in den Teil seines Reviers zurückziehen könnte, den er nicht verteidigen muss: die Wohnung im vierten Stock. Rieke hätte nichts dagegen: Sie genießt es, nachts wieder durchzuschlafen.

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Aussehen egal, Hauptsache 27

Zettelgold_55Max-Brauer-Allee // Hamburg // Dank an Jan Strozyk

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Pfui!

Hamburg, Methfesselstraße II

Hamburg // Methfesselstraße

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Hör mal, wer da hämmert

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No Klo

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Hamburg // Osterstraße

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Ricarda, 28, sucht den Vater ihrer Welpen

Vater gesuchtHamburg // Schanzenpark // Dank an Yvonne Dewerne

2000 Jahre Kirchengeschichte in vier Monaten. Ricarda hatte einen Lernplan, sie war motiviert, sie hatte ein Ziel: ein gutes Examen, dann irgendwann vielleicht Pastorin. Es kam anders. Mit 28 Jahren wurde die Theologie-Studentin aus Hamburg neunfache Mutter, fünfmal schwarz, viermal blond. Schuld ist ein Freund, der inzwischen keiner mehr ist.

Ricarda hat eine Hündin, den drei Jahre alten Settermischling Zola. An einem Dienstagabend im Januar spazierten die beiden durch den Hamburger Jenischpark. Zola sollte sich austoben, doch sie rannte nicht, sie watschelte. Um die Taille hatte sie zugelegt. Sollte sie etwa? Wann war sie zuletzt läufig?

Das war im Dezember. Zu der Zeit hatte ein Freund auf die Hündin aufgepasst, wie schon häufiger. Er habe gewusst, sagt Ricarda, dass Zola an der Leine bleiben muss. Eine läufige Hündin macht Rüden schließlich wuschig. Da gibt’s kein Halten mehr.

War da was im Dezember?, fragte Ricarda. Ach, stimmt, einmal habe sich Zola von der Leine gerissen, behauptete der Freund, um mit einem Rottweiler im Gebüsch zu verschwinden. Zwei Minuten, höchstens.

Ricarda vereinbarte einen Ultraschalltermin.

Sie informierte ihre neue WG-Mitbewohnerin.

Sie verschob ihr Examen.

Sie stritt mit ihren Eltern. Denn plötzlich, 23 Jahre nach der Scheidung, waren sie wieder einer Meinung: Die Welpen müssen weg. Das Studium für Hundepflege unterbrechen? Verantwortungslos. Neun Mischlingsköter verkaufen? Unmöglich. Ricardas Vater züchtete früher selbst Hunde. Auf dem Land, sagt sie, würde man „schon mal mit der Schüppe draufhauen“. Ricarda startete stattdessen lieber das Blog Hundekinderreeperbahn, so gehört sich das für eine werdende Großstadtmutti.

Und sie schrieb einen Zettel, den sie in Hamburg und auf Facebook verteilte: „Vater gesucht! Meine zum Zeitpunkt läufige Hündin hat sich am 2.12. mittags im Schanzenpark bei ihrem Gassifreund von der Leine gerissen und ist mit einem mittelgroßen, kurzhaarigen, schwarzlohfarbenen Rüden im Gebüsch verschwunden. Laut Tatbericht nur für zwei Minuten – laut Ultraschall könnten es ein paar Minuten mehr gewesen sein… Wir erwarten Nachwuchs! […] Wer hat was gesehen? Hinweise, die zur Ergreifung des Vaters führen, werden mit einem glücklichen Hundelächeln und einer Tafel Schokolade belohnt!“

Nach zwei Stunden meldete sich eine Hundesitterin: Zola habe sich nicht von der Leine gerissen, sagte sie, sondern sei gar nicht angeleint gewesen. Aus dem Rottweiler wurde ein Labrador, aus den zwei Minuten eine halbe Stunde, aus dem Freund ein Ex-Freund.

Abends telefonierte Ricarda mit der Labrador-Besitzerin, ein paar Tage später sahen sich werdende Mutter und werdender Vater wieder. Ricarda vermählte die beiden im Schanzenpark, nach dem Ja-Wort gab’s ein Leckerli.

Ende Januar brachte Zola ihre Kinder zur Welt. „Wir sind jetzt 9-fache Mütter“, schrieb Ricarda in ihrem Blog. „Zola und ich leben nunmehr zusammen wie eins dieser öko-alternativen, gleichberechtigten Elternpaare in vollkommener Überwindung traditioneller Geschlechterrollen.“ Ricarda stand nachts auf, wenn ein Hündchen krähte, um 1.30 Uhr, um 3 Uhr, um 4 Uhr. Sie bloggte: „So langsam bekomme ich als Single-Endzwanzigerin eine Vorstellung davon, was Elternschaft mit Schlafenzug zu tun hat.“ Sie wog die Kleinen, picknickte mit ihnen an der Elbe, kaufte eine beheizbare Welpenhütte, als die Wohnung zu eng wurde und die Kleinen in einen Reitstall umzogen.

Und irgendwann kam der Abschied. Sie fand neue Besitzer, die Welpen heißen jetzt Lina, Emma und Frieda, sie besuchen Welpengruppen und leben in kindersicheren Wohnungen in Bochum, Lübeck und Göttingen. Hin und wieder bekommt Ricarda ein Foto geschickt und ist ganz stolz auf ihre großen Kleinen.

Danke für die Hundefotos an Ricarda!

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„Die Katze ist nicht eingesperrt“

Cannes, Rue Hoche, Karin

Cannes // Rue Hoche // Dank an Karin Prummer

Ja, wo ist sie denn die Katze? Oft sitzt sie im Fenster und schaut auf die Straße. Gitter verriegeln die „Galerie 20“ in der Rue Hoche, Cannes, es sieht aus, als sei der Laden schon lang geschlossen. Und die Katze gefangen? Für alle besorgte Mitmenschen hat der Besitzer einen Zettel in die Scheibe geklebt: „Die Katze ist nicht eingesperrt.“ Vielleicht sollte er sich mal mit den Hamburgern aus dem Stellinger Weg treffen, sie würden sich sicher verstehen.

Hamburg, Stellinger WegHamburg // Stellinger Weg

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Marshi, du junger Hüpfer

Hamburg, Eppendorfer Landstraße, MereteHamburg // Eppendorfer Landstraße // Dank an Merete

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